Firmen, die sich auf der Plattform «Animap» eingetragen haben, wollen niemanden ausgrenzen, der nicht geimpft ist. Fotomontage: stock.adobe/js
1/3 Firmen, die sich auf der Plattform «Animap» eingetragen haben, wollen niemanden ausgrenzen, der nicht geimpft ist. Fotomontage: stock.adobe/js
Manuela Strasser vom Brotlädeli. z.V.g.
2/3 Manuela Strasser vom Brotlädeli. z.V.g.
Edwin Schalcher, Chef der Solarien BeautySun. z.V.g.
3/3 Edwin Schalcher, Chef der Solarien BeautySun. z.V.g.
10.06.2021 07:30

«Bei mir wird es nie einen Impfausweis brauchen»

Sie gilt als gelbe Seiten der Impfskeptiker, die Plattform «Animap». Dort tragen sich Firmen ein, die ausdrücklich auf einen Impfnachweis verzichten. Welche regionalen Betriebe sind vertreten? Und wer steckt hinter der Website? Eine Recherche.

Frauenfeld Sie sind Naturheilpraktiker, Verkäufer, Treuhänder. Und sie sind sich einig, dass alle Menschen Zugang zu ihren Dienstleistungen haben sollten. Nicht nur die Geimpften. Über 2200 Firmen in der Schweiz sind auf der Plattform «Animap» eingetragen. Die Ziele der Webseitenbetreiber: Keine Zweiklassengesellschaft, keine Impfapartheid. So heisst es sinngemäss auf der Homepage.

Ein Anonymer im Widerstand

«Animap» wurde im März von der Organisation «Reaktion.org» ins Leben gerufen. Der Betreiber ist anonym und will es auch bleiben. Nach intensiver Recherche stossen wir auf B.K.*, der eine gewisse Nähe zum Netzwerk zu haben scheint. Durch kurzen Mailkontakt wird klar: Er ist der Gründer, wohnt im Thurgau in Seenähe und war in der Vergangenheit einfaches Mitglied der SVP. Unseren Fragenkatalog beantwortet er nicht direkt. Er verweist auf ein kürzlich veröffentlichtes Interview im österreichischen Medium «Wochenblick». Dort hat er via Telegram Stellung genommen. Er bezeichnet sich selbst als «Familienvater, der im Widerstand gegen die unverhältnismässigen Massnahmen ist.» Ausserdem gibt er an, wegen seiner kritischen Haltung entlassen worden zu sein. «Das Ziel von Animap», so B.K. zum «Wochenblick», «ist nicht die Ausgrenzung von Geimpften, sondern die Verhinderung der Diskriminierung jener, welche die Impfung nicht wollen.» 

Die Plattform bedient sich der Angst vor dem Covid-Zertifikat, das als App seit Montag zur Verfügung steht und laut dem Bund Ende Monat eingeführt werden soll. Dabei handelt es sich um ein Dokument mit QR-Code, in dem hinterlegt ist, ob eine Person geimpft, negativ getestet oder genesen ist. Für die Erwähnten sollen andere Massnahmen gelten als für Personen ohne Zertifikat. Über die Anwendungsbereiche wird der Bundesrat am 23. Juni entscheiden. In seinem Vorschlag hält er fest, das Konzept in drei Bereichen anzuwenden. Zum orangenen Bereich gehören öffentliche Veranstaltungen und Bars, dort ist ein Einsatz des Covid-Zertifikats nur zur Verhinderung von Schliessungen vorgesehen. Im Roten sind der internationale Reiseverkehr sowie Clubs und Diskotheken vermerkt. Hier kann das Zertifikat als vorübergehende Bedingung zur Anwendung kommen. Explizit ausgenommen von der Regelung sind Branchen im grünen Bereich wie ÖV, Detailhandel und Ausbildungsstätten, also Sektoren des alltäglichen Lebens. Dort ist eine Anwendung des Covid-Zertifikats nicht geplant. Die Betriebe, die auf «Animap» eingetragen sind, glauben das nicht. Sie fürchten, dass ein Impfnachweis auch in ihren Branchen obligatorisch wird. «Mit dem geplanten Impfpass werden all jene Menschen benachteiligt und ausgegrenzt, welche sich wegen gesundheitlichen Bedenken keinen unerforschten Covid-19 Impfstoff spritzen lassen wollen», so der Betreiber.

Sich nicht alles gefallen lassen

B.Ks Plattform verfügt über eine Suchfunktion. Das macht es leicht, die eingetragenen Firmen zu finden. Je zwei aus Weinfelden, eine aus Frauenfeld, Kreuzlingen und der Region Untersee haben wir gebeten, Stellung zu nehmen. Geantwortet haben vier von fünf. Ein Geschäftsführer aus Weinfelden will im Artikel nicht erwähnt werden. Er hat Angst vor negativen Konsequenzen. Die Leiterin eines Frauenfelder Unternehmens knüpft ihre Antworten an die Bedingung, den ganzen Artikel vor dem Druck lesen zu dürfen. Da dies der gängigen journalistischen Praxis widerspricht, entscheidet auch sie sich gegen eine Erwähnung. Am unverblümtesten gibt sich Edwin Schalcher, Chef der Solarien BeautySun in Frauenfeld und Kreuzlingen. «Ich finde es eine super Idee für die noch denkenden Firmeninhaber zu zeigen, dass sie sich nicht alles gefallen lassen von dieser Coronadiktatur», erklärt er. Schalcher ist davon überzeugt, dass Sonnenlicht am besten gegen Krankheiten hilft. «Bei mir wird es nie einen Impfnachweis brauchen», gibt sich der 47-Jährige kämpferisch. Manuela Strasser vom Brotlädeli Strasser in Eschenz betont: «Wir möchten keinen diskriminieren, bei uns sind alle herzlich willkommen.» Das kommt bei ihrer Kundschaft offenbar gut an. «Viele haben unseren Eintrag auf ‘Animap’ besucht. Einige kommen auch extra deswegen zu uns.»

*Name der Redaktion bekannt, Initialen geändert

Janine Sennhauser