V.l.n.r.: Christian Brändle, Marc Papritz und Jeremy Schauwecker bei der Arbeit an ihrer Verpackungsvariante «Mypac». z.V.g.
1/3 V.l.n.r.: Christian Brändle, Marc Papritz und Jeremy Schauwecker bei der Arbeit an ihrer Verpackungsvariante «Mypac». z.V.g.
V.l.n.r.: Christian Brändle, Marc Papritz und Jeremy Schauwecker bei der Arbeit an ihrer Verpackungsvariante «Mypac». z.V.g.
2/3 V.l.n.r.: Christian Brändle, Marc Papritz und Jeremy Schauwecker bei der Arbeit an ihrer Verpackungsvariante «Mypac». z.V.g.
Das Verpackungsmaterial besteht zu einem grossen Teil aus Myzel. z.V.g.
3/3 Das Verpackungsmaterial besteht zu einem grossen Teil aus Myzel. z.V.g.
24.12.2020 07:30

In den Kompost statt ins Meer

Studenten entwickeln Verpackungsmaterial aus Pilzwurzeln

Ein Hocker-Regal für moderne Unterrichtsformen oder ein Alarmsystem für Holzbauten: Studierende der OST entwickelten im Rahmen der Industrieprojekte neue Produkte. Ein Team konzentrierte sich auf die Frage, wie Verpackungsmaterial umweltfreundlicher gestaltet werden könnte.

Stein am Rhein Ein Fernseher war der Ausschlag. Nicht das Gerät selbst, sondern dessen Verpackung. Karton und Styropor, wovon vor allem Letzterer immensen Umweltschaden anrichtet, landen doch jedes Jahr Tonnen davon in den Ozeanen. Diese Geschichte erzählte Jeremy Schauwecker, Konstrukteur und Studierender an der Ostschweizer Fachhochschule OST. Zusammen mit Christian Brändle und Marc Papritz hat er sich im Rahmen seines Studiums in Wirtschaftsingenieurwesen auf die Suche nach einer umweltfreundlichen Styropor-Alternative gemacht. Unterstützt wurden die Drei von der Firma Phoenix Macedo AG mit Sitz in Stein am Rhein. Die dort hergestellten Industrieprodukte werden nämlich an Kunden verschickt und dafür - wie der anfangs erwähnte Fernseher- in Styropor verpackt.

Zauberwort Myzel

In unzähligen Stunden Arbeit haben sich die Drei also überlegt, welches Material zu hundert Prozent biologisch abbaubar und dennoch stabil genug für einen Transport ist. Schlussendlich sind die Studenten auf eine unkonventionelle Idee gestossen: Myzel, also die Pilzwurzel. Getrocknet, gepresst und mit Holzsubstrat angereichert, entsteht aus dem sonst unsichtbaren Teil des Pilzes ein stabiles und dämpfendes Material. Doch nicht nur die Festigkeit, das geringe Gewicht und die individuelle Formbarkeit des Produkts sprechen für dessen Verwendung. Denn ganz im Gegensatz zu Styropor ist es zu hundert Prozent kompostier- und abbaubar. «Wir wollten mit unserem Projekt etwas im Bereich Umweltschutz leisten», erklärten die jungen Männer an der Projektpräsentation, die für einmal online stattfand.  Bis das von den Studenten getaufte Produkt «Mypac» den tatsächlichen Weg in die Industrie findet, könnte es aber noch eine Weile dauern. «Die heutige Abschlusspräsentation bedeutet für uns nicht das Ende des Projektes», verrieten die Drei. Denn der Herstellungsprozess und die Materialzusammensetzung müssen noch optimiert werden, um die Kosten möglichst gering zu halten. Schliesslich soll «Mypac» ja konkurrenzfähig werden. Einen ersten Schritt in Richtung umweltfreundliche Verpackung haben Christian Brändle, Marc Papritz und Jeremy Schauwecker aber auf jeden Fall getan. Und zwar einen, über den sich auch die Phoenix Macedo AG freuen dürfte. Sind CEO Michael Jahn und Digital Projekt Manager Marc Sprenger dem Team doch mit Rat und Tat zur Seite gestanden.

Sieben eindrückliche Ideen

Nicht nur Schauwecker und sein Team haben laut Studiengangleiter Urs Sonderegger «eindrückliches geleistet». Auch die sechs anderen Projekte sind individuell und könnten schon bald ihren Weg auf den Markt finden. So wurde unter anderem ein Hocker-Regal, ein Händetrockner und ein besonderer Trinkbecher entwickelt. Dass die diesjährige Ausstellung aufgrund der Pandemie ausfallen musste, bedauerte Sonderegger zwar, doch windete er den Studierenden auch ein Kränzchen dafür, dass sie ihre Projektarbeiten unter erschwerten Bedingungen so erfolgreich abgeschlossen haben. Mehr Informationen zum Industrieprojekt der Ostschweizer Fachhochschule OST gibt es hier.

Janine Sennhauser