Archäologe Urs Leuzinger spricht über die Lappenäxte. js
1/3 Archäologe Urs Leuzinger spricht über die Lappenäxte. js
Das Glöckchen. z.V.g.
2/3 Das Glöckchen. z.V.g.
Die Überbleibsel der Äxte (Mitte), die Goldstückchen (vorne) und das Glöckchen (hinten) sind in der Ausstellung zu sehen. js
3/3 Die Überbleibsel der Äxte (Mitte), die Goldstückchen (vorne) und das Glöckchen (hinten) sind in der Ausstellung zu sehen. js
08.06.2021 09:05

Klingelt da was?

Eine Glocke im Fokus der Kabinettsausstellung

Die Fundstelle «Mäuseturm» liegt 240 Meter vor dem Ufer bei Güttingen im Bodensee auf einer kleinen Untiefe. Dort haben Taucherinnen und Taucher Bauhölzer und Objekte aus längst vergangenen Zeiten ausgegraben. Unter den Fundstücken: ein silbernes Messglöckchen.

Frauenfeld/Güttingen Die drei Jahre langen Tauchgrabungen haben sich gelohnt. Das merkt man Urs Leuzinger vom Amt für Archäologie deutlich an, wenn er leidenschaftlich die Überbleibsel der Lappenbeile kommentiert. Sie stammen aus der Spätbronzezeit und sind Teil der neuen Kabinettsausstellung «Der sagenhafte Mäuseturm bei Güttingen», die seit vergangenem Samstag geöffnet ist. «Kabinettsausstellung» heisst  sie übrigens deshalb, weil ein kleiner Raum- Leuzingers ehemaliges Büro- eigens für die Fundstücke hergerichtet wurde.

Vier Köpfe, in Silber gehüllt

Für Entzückung sorgte auch der Fund eines silbernen Glöckchens. «Es ist kümmerlich klein, schwarz angelaufen und unscheinbar. Aber: Es hat vier Köpfe drauf. Wir gehen davon aus, dass das die vier Evangelisten sind.» Aus diesem Grund sei es vorstellbar, dass es sich um ein Messglöckchen handelt, welches während Gottesdiensten zum Einsatz kam. Beweisen, so der Archäologe, könne man das nicht. Das silberne Glöckchen aus dem 9. bis 10. Jahrhundert könnte, so spekuliert Leuzinger, einem Priester aus dem Messgewand gefallen sein. Ein Bimmeln ist ihm allerdings nicht mehr zu entlocken, der Klöppel ist abgebrochen. All diese Fundstücke und weitere, wie kleinere Goldobjekte und Rückstände des Mäuseturms, können bis am 15. August im Frauenfelder Museum für Archäologie begutachtet werden. Ab Oktober sind die Stücke dann Teil einer Wanderausstellung, die im Januar 2022 im Thurgau Halt macht. «Das wird fett», freut sich Leuzinger, «echt geil!»

Filmmaterial zu den Tauchgängen:

Janine Sennhauser