Mit der App «Noii», die zurzeit im umgebauten Ochsen entwickelt wird, will Laura Matter das Online-Dating revolutionieren. Symobild: Pexels
1/1 Mit der App «Noii», die zurzeit im umgebauten Ochsen entwickelt wird, will Laura Matter das Online-Dating revolutionieren. Symobild: Pexels
17.12.2020 08:00

Kursänderungen in der Halbzeit

Projektpaar beendet Zusammenarbeit im Silver Ox

Fast fünfzig Tage haben Laura Matter und Michael Hörnlimann zusammen gelebt und an ihrer Datingapp «Noii» gearbeitet. In einer Videokonferenz liessen die zwei dann eine Bombe platzen: Von nun an wird Laura das Projekt alleine durchziehen.

Wagenhausen Intensiv seien sie gewesen, die vergangenen Tage. Nicht, wie ein «normaler» Job. So beschrieb es Michael Hörnlimann an einer Online-Infoveranstaltung. Seit Ende Oktober lebt und arbeitet er zusammen mit Laura Matter im Silver Ox, dem ehemaligen «Ochsen» an der Hauptstrasse. Das Gebäude wurde eigens für diesen Zweck umgebaut: Junge und engagierte Personen sollen dort ihre Ideen reifen lassen und sie innert hundert Tagen umsetzen. Unterstützt werden sie dabei von den «Silvers», einer Gruppe von Unternehmern, die sich aus Eveline Herzer, Harry Müller, Roger Näf und Beat Ammann zusammensetzt. In den letzten Wochen haben sich Laura und Michi also an der Lebens- und Arbeitsgemeinschaft versucht. Und sind zum Entschluss gekommen, dass «unsere Ziele und Ambitionen nicht in die gleiche Richtung gehen», wie es Laura formuliert. Die junge Zürcherin wird das Projekt also ohne den Webdesigner Michael beenden. «Wir sind beide glücklich, so, wie es jetzt ist», versichert Laura.

Gespaltene Meinungen

Die Patrons zeigten sich überrascht über den Entscheid, gehört doch das Zusammenwohnen zum Konzept des Silver Ox. Für Eveline Herzer, die auch die Besitzerin des umgebauten Ochsens ist, soll das auch so bleiben. Harry Müller schliesst sich ihrer Meinung an: «Das Projekt lebt davon, dass die Teams nicht nur zusammenarbeiten, sondern auch zusammenwohnen. Wenn wir das nicht haben, ist der Silver Ox ein normaler Coworking-Space.» Etwas anders sieht es Roger Näf. Er erklärt: «Ich bin der Meinung, dass man offen sein muss. Ich würde nicht konsequent sagen, dass die Teams jetzt unbedingt zusammenleben müssen.»

Keine Bilder, dafür Persönlichkeitstests

Im Gegensatz zu den bekannten Dating-Apps wie Tinder und Co. soll die Kommunikation bei der Anwendung «Noii» persönlicher sein. So sollen die Nutzerprofile beispielsweise ohne Fotos auskommen, denn laut Laura bilden «Humor, gemeinsame Werte und Interessen die Grundsteine des Kennenlernens». Das Projektteam hat sich in diesem Zusammenhang sogar mit Psychologen ausgetauscht und zieht die Integration eines Persönlichkeitstests in Erwägung. Auch klassische Chats soll es nicht geben. Nach einem Match soll möglichst schnell ein Video-Call oder ein reguläres Telefongespräch und danach direkt ein persönliches Treffen stattfinden. Der Anmeldeprozess wird ebenfalls anders verlaufen, als wir es von klassischen Anwendungen kennen. Er soll aufwendiger sein, so Michi, damit allfällige Betrüger möglichst früh aussteigen. Auf die Frage, wieviel die App den User kosten wird, antwortet Laura: «Wir haben das Thema noch nicht intensiv bearbeitet. Die erste Testversion ist für ein paar Monate sicherlich kostenlos. Danach wird es wohl gewisse Premium-Funktionen geben, die bezahlt werden müssen.» Um all diese Themen wird sich der Dezember drehen. Um die technischen Raffinessen.

Wetteinsatz für einen guten Zweck

Am 8. Februar soll die Schlusspräsentation der «Noii-App» stattfinden. Bis dahin muss Laura einen ersten, interaktiven Prototyp der Anwendung fertig haben, der sich gut nutzen lässt. Für den Fall, dass sie das nicht schafft, hat sie im Vorfeld einen Wetteinsatz geleistet. «Wenn Laura das Ziel der ‘100 Day Challenge’ nicht erreicht, verrichtet sie beim Roten Kreuz ehrenamtliche Arbeit. Für jeden Tag, den sie im Silver Ox verbracht hat, eine halbe Stunde», erklärt Dr. Andreas Schmid, der zum Initianten-Team gehört.